8. Tag am Steirischen Mariazellerweg 06—3. Juni 2026 – Gespenster Riesen im Nebelwald

Etappe: Straßegg—Herrenalm—Auf der Schanz—Stanglalm—Mitterdorf im Mürztal, reine Gehzeit: 08:34Stunden, Strecke: ca. 30,5Kilometer  Höhenmeter: 874m im Anstieg, 1465m im Abstieg, Wegnummer: 706, 730  leichte bis mittelschwere  Tour

Der gestrige Abend entwickelte sich noch ziemlich gut. Gegen 17:00 Uhr tauchte mein Quartiergeber, der Wirt, auf. Ich bekam ein Zimmer, und Rudi meinte, gegen 19:00 Uhr gäbe es Abendessen. Er hatte noch zwei Handwerker zu verköstigen, und da könnte ich einfach mitessen. Ein gutes Angebot – nahm ich natürlich an.

Ich saß dann mit zwei Zimmerern am Tisch, die heute bei Rudis Ferienhäusern am Dach gearbeitet hatten. Rudi, der Wirt, hatte gut gekocht. Hühnerschnitzel in Sesampanier, davor noch eine Frittatensuppe und grünen Salat dazu. Das Motto hieß „All you can eat“. Nach dem Essen unterhielt ich mich noch mit den beiden „Pfuschern“ und legte mich dann schlafen.

Punkt 06:00 Uhr war ich wach – und es regnete! Alles grau in grau, durchaus kräftiger Regen, aber immerhin kein Wind. Also beste Voraussetzungen für meine heutige lange Tour! Natürlich ironisch gemeint. Aber das Wetter muss man nehmen, wie es kommt. Rudi servierte mir noch ein gutes Frühstück und spielte mich dann auf seiner Ziehharmonika hinaus in den grauen, regnerischen Tag.

Aber kein Problem – alles eine Frage der Ausrüstung! Schönwetterwandern kann eh jeder. Ich hatte ja meine Regenkleidung dabei. Zusätzlich stülpte ich mir noch den Regenponcho über, der auch den Rucksack abdeckte. So eingepackt ging ich los.

Praktischerweise führte der 06er-Weg direkt hinter dem Gasthaus weiter, ein kurzes Stück hinauf zum Waldrand. Zu den Wegen heute sei gesagt, dass ich auf schönen, moderaten Wald- und Wiesenwegen sowie breiten Forststraßen unterwegs war. Die Sicht war allerdings äußerst bescheiden. Es regnete beständig, und dichter Nebel war mein ständiger Begleiter.

Wie sich herausstellte, hielt meine Regenkleidung den Anforderungen großteils stand. Etwas Feuchtigkeit oder Nässe lässt sich ohnehin nie ganz vermeiden. So ging ich moderat bergauf, passierte den Reschen-, Beißen- und Feichtkogel sowie die Aibelhöhe. In diesem Bereich bewegte ich mich  zwischen 1300 und 1450 Metern Seehöhe. Immer wieder galt es, Weideflächen zu queren. Ich bin dabei ohnehin stets vorsichtig und achte genau auf die Reaktionen der Tiere.

Im Bereich des Feichtkogels kamen plötzlich die Kühe in Bewegung. Zielstrebig gingen sie auf mich zu. Waren sie nur neugierig oder planten sie etwas anderes? Egal – ich wollte das gar nicht so genau wissen, sondern einfach nur vor den Kühen das Einlassgatter erreichen! Habe ich auch geschafft! Also wie steht es nun? Herbert 1 – Kühe 0!

Ich erreichte nun den Knappensattel, und der 06er-Weg führte mich durch das Gebiet des Hinterleitenwaldes zur Herrnalm. Die Alm selbst ist nicht bewirtschaftet, das Gebiet besteht allerdings aus einem großen Windpark.

Die Windräder konnte ich im dichten Nebel nur schemenhaft erkennen. Das Geräusch der Rotorblätter allerdings war laut und deutlich zu hören, begleitete mich lange und schuf im Nebel eine ganz eigenartige Stimmung.

Falls ich es noch nicht erwähnt habe – es regnete noch immer. Von der Herrnalm ging es lange entlang des sogenannten Zellerweges, der später von sehr langen Forststraßenpassagen abgelöst wurde. Schließlich erreichte ich den Alpengasthof „Auf der Schanz“. Jetzt gab es die hochverdiente Pause – und natürlich meinen Stempel. Am Schanzsattel teilt sich der weitere Weg.   Entweder man wandert auf der Route 6A über die Stanglalm, Mitterdorf und die Rotsohlalm weiter, oder man wählt die Route 6B durch die Waldheimat nach Krieglach und über Mürzsteg.

 

Ich entschied mich für die Route 6A, mein nächstes Ziel war daher die Stanglalm. Weiter ging es auf steinigem Weg bis zum Erreichen einer Forststraße. Heute war überhaupt viel Forststraße angesagt! Aber angesichts des üblen Wetters waren breite Forststraßen genau das Richtige. Lange wanderte ich so dahin, bis ich im Bereich Heuberg-Hochpürschtling wieder das vertraute Geräusch rotierender Windräder vernahm.

Weiter ging es am sogenannten Walserkreuz vorbei auf dem Zellerweg. Noch immer säumten Windräder meinen Weg. Dann erreichte ich endlich die Stanglalm. Jetzt begann der Abstieg nach Mitterdorf. Und der war wirklich dramatisch! Über sieben Kilometer und rund zweieinhalb Stunden ging es auf schmalen, steilen Steigen und Pfaden abwärts. Der Waldsteig war eng, voller Wurzeln und zusätzlich lag jede Menge loses Gestein in der Steigspur.

War der Regen bisher eigentlich kein großes Problem, machte die Nässe den Abstieg nun zu einer sehr konzentrierten Angelegenheit. Gehen mit allen Sinnen war angesagt. Mit viel Geduld und Vorsicht erreichte ich schließlich Mitterdorf. Im dortigen Sparmarkt besorgte ich mir noch einige Kleinigkeiten und fand auch mein heutiges Quartier, das Gasthaus zur Post, sehr schnell.

Die Wetterprognose für morgen ist wieder sehr gut. Es steht also einer trockenen Wanderung auf die Rotsohlalm nichts mehr im Wege.