7. Tag – Benny der Trail-Hund – 2 Engel und spannende Shelter Spiele

Appalachian Trail

Streckenabschnitt: Rock Spring Hut – Byrds Nest#3 Shelter / 11Mi
05:30 Uhr der Morgen war noch grau und nebelig vom Gewitter und dem nächtlichen Starkregen. Als erstes ging ich das Zelt abbauen, welches nicht nur nass sondern auch schmutzig war. Zur Reinigung breitete ich das Zelt, d.h. Innen- und Außenzelt getrennt auf einen Picknicktisch aus und putzte mit Wasser und einem Tuch den ärgsten Schmutz weg. Dann verpackte ich das nasse Zelt es war natürlich jetzt schwerer! Zum Glück waren die meisten anderen Sachen nicht nass geworden; dass alles immer ein bisschen feucht ist an das habe ich mich schon gewöhnt. Dann der tägliche Kampf mit Klotz. Es geht immer um die spannende Frage ob alles Ausgepackte auch wieder rein passt? Es ging sich auch diesmal wieder aus! Zum Frühstück gibt`s eine 12er Packung Kekse ein paar davon bekommt der Hund eines Wanderers und zum Trinken natürlich herrliches frisches Quellwasser.

 

Erstens hatte ich keine Lust den Kocher anzuwerfen, zweitens habe ich keinen echten Kaffee mehr (nur mehr Instant), drittens weiß ich nicht ob ich mit dem Gas auskomme. Nur eines ist gewiss, dass ich erst in Front Royal wieder Gas bekomme! Gegen 08:00 Uhr breche ich auf, das Wetter lässt noch immer nicht`s Gutes hoffen! So ist es dann auch! Es beginnt wieder zu donnern und zu blitzen und leichter Regen setzte ein. Vorerst kein Problem. Problematisch ist vielmehr, dass sich dies ja in einer Mittelgebirgslage (900 bis 1200m) abspielt. Aus dem leichten Regen der im Wald fast nicht zu spüren ist wird ein Starkregen, den ich allerdings in einer Felsnische aussitze. Als es wieder passt, d.h. als es nur mehr leicht regnete, setze ich meinen Marsch fort.

Alles ist nass, die Steine sind glitschig, der Boden morastig, Vorsicht ist geboten! So erreiche ich den Pinnacel-Picknick-Shelter-/Area ein großes überdachtes Gebäude mit einem großen Kamin in der Mitte, mit vielen Grillstellen, rundum Tische und Bänke eine echt schlaue Konstruktion,  diese steuere ich an. Dort treffe ich Jeff und seine Frau Joanna an einem dieser Tische sitzend, auf ihrem Grillrost brutzeln unzählige Hot Dogs, der Tisch ist voll mit Getränken, Chips, Saucen, Brötchen usw. Ich meinerseits öffne mir die Dose mit Chili  die ich ursprünglich zu den Spagetti machen wollte und frage ob ich die Dose auf ihr Grillfeuer stellen darf. So kommen wir in`s Gespräch. Als Jeff meine armselige Nahrung sieht, lädt er mich auf Hot Dogs ein. Jeff richtet mir 2 Hot Dogs her, dazu Bohnen, Chips mit Tipp, Mineralwasser. Ich nehme dankend an, verspeise die Sachen in Windeseile was Jeff dazu bewegt noch mehr Hot Dogs auf den Grill zu legen. Zwischenzeitlich habe ich Jeff das Problem mit den Telefonen im SNP geschildert. Er nickt fragt mich nach der Mailadresse, gibt diese ein, reicht mir sein Handy und sagt Here you are. Ich bin echt baff! Es gibt schon wirklich gute Menschen! Ich tippe schnell ein paar kurze Sätze ein, hoffe dass sich mein Familie daheim auskennt und drücke auf senden.

 

Inzwischen hat mir Jeff die restlichen Hot Dogs in Alu-Folie eingepackt, dazu eine ganze Packung Toastbrot! Es ist echt ein Wahnsinn, das ist schon mehr als gastfreundlich! Gott sei Dank Jeff raucht und ich kann mich ein wenig mit 2 Zigarren revanchieren! Ich verabschiede mich dann von zwei freundlichen, warmherzigen, großzügigen Menschen und mache mich auf den Weg zum Byrds Nest#3 Shelter eh nur 2,2 Meilen die fast unendlich lang werden, nicht zuletzt da es wieder intensiv zu regnen begonnen hat. So kommt nun der Poncho zu Einsatz gar nicht so einfach das Ding über den großen Rucksack zu bringen! Ich muss mir da noch was einfallen lassen! Aber ist er mal drüber kann es regnen so viel es will!

So komme ich beim Shelter an und der ist voll! Aber wirklich voll! Ca. 30 Jugendliche sitzen im Shelter wie sich herausstellte eine Gruppe auf 3-Tages-Sommercamp. Ihre Zelte bzw. große Tarps haben sie hinter dem Shelter aufgeschlagen. Dort schlafen sie auch.
Daher kann ich im Shelter schlafen. Ich bekomme hautnah das Treiben mit. Wobei die Betreuer mit den Jungs und Mädels ein echt spannendes Rollenspiel aufziehen. Auf Zettel werden Rollen verteilt; Werwölfe, Doktor, Hexen usw. Allen diesen Rollen werden Fähigkeiten zugeordnet. Werwölfe können zB. töten, andere in Werwölfe verwandeln, der Doktor kann heilen usw. Dann wird die ganze Gruppe immer wieder schlafen geschickt und die einzelnen Rollen aufgeweckt, diese teilen entsprechend ihren Fähigkeiten die jeweiligen Entscheidungen mit zB wer soll getötet, verwandelt usw. werden. Dann wird diskutiert und allen die Entscheidungen mitgeteilt die Betroffenen müssen dann ihre Rolle bekanntgeben, die Kids sind mit Feuereifer dabei und das über mehrere Stunden. Nun bin ich fast allein im Shelter, gerade ist ein weiterer Wanderer eingetroffen. Heute ist es fein ein Dach über dem Kopf, trockene Kleidung, den Bauch voller Hot Dogs!

Exkurs zu Klotz:
Ich habe meinem Rucksack einen Namen gegeben. Er heißt Klotz! Ich finde das angemessen weil wir doch die meiste Zeit zusammen verbringen. Klotz ist ein wenig faul. Aber sonst OK!

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