7. Tag 1. August 2018 – Wenn Holländer dir Stöcke schenken

Appalachian Trail

Etappe: Stratton – Safford Notch Campsite – 10,5Mi / 17 Km

Ich kam mit 2 kleinen SamAdams Bieren gut aus am letzten Abend. Einigen Wanderkollegen schaute das Budweiser Bier am Morgen noch aus den Augen.

Tagwache war um 06:00 Uhr, der Rucksack war ja schon fast gepackt, also raus aus dem Zimmer. Kaffee wäre jetzt gefragt. Draußen saß schon unser Gastgeber, der sich zunehmend freundlicher gab und sagte mir, dass in der Küche frischer Kaffee bereit steht. Super, nichts wie hin. Mit einer großen Tasse duftenden Kaffee  kam ich wieder zurück. Bei den Wander-Jungs ist einer dabei, der fischt die abgedämpften Zigarettenstummel aus  dem Aschenbecher und raucht sie fertig. Er tut mir echt leid und ich gebe ihm einige von meinen Zigaretten. Am Vortag hatte ich mir ein echt fettes Sub für das Frühstück besorgt. Als ich es jetzt sah dachte ich mir, nein, wenn du das jetzt isst, musst du sicher beim ersten Anstieg sofort kotzen. Ich gab es daher frei zum Verzehr. Die Kollegen freuten sich darüber.

 

Es gab Glücksmomente für mich. Meine Lekki -Trekkingstöcke wiesen leichte technische Mängel auf. Sie ließen sich nicht mehr sicher fixieren. Am Vortag kamen zwei Wanderer zu uns an den Tisch und fragten ob den wer gute Trekkingstöcke brauchen konnte. Wie sich herausstellte kamen die Beiden aus den Niederlanden, waren bei Freunden zu Besuch und hatten einige Tageswanderungen gemacht. Ich sah mir die Stöcke näher an, Marke Black Diamond mit Schnellverschlüssen, kosten bei uns mindestens € 100.-. Die wollte ich haben und ich bekam sie auch. Dann folgte der zweite Teil meiner Glücksserie. Ich brachte meine alten Stöcke zur Hiker-Box und was sah ich da? Eine Überziehhose mit Innenfutter, völlig unbeschädigt und  sauber. Das war die Lösung für etwas kühlere Nächte. Ich hatte schon daran gedacht mir so etwas zu kaufen.

 

Aber nun zurück zum Tag.  Kurz vor 07:00 Uhr brachte uns unser Gastgeber zurück zum Trail. Wie schon gesagt, heute sollte es nicht regnen. Es ging über die Bigelow Range mit insgesamt 4 Gipfeln so um die 4000ff/ca. 1400m. Das Herangehen an den Gebirgszug war die erste Stunde relativ moderat, dann stieg es allerdings von 1280ff auf 3720ff an. Es hieß auf ca. 4Mi / 6,5Km gut 850 Höhenmeter machen und die natürlich wie gehabt im Steilflug. So erreichte ich nach knapp 2 Stunden den ersten Gipfel, das North Horn. Es folgte 1,5 Stunden später der etwas höhere Bigelow Mt. Westpeak und um 13:00 Uhr hatte ich mit dem Avery Peak den letzten Gipfel erreicht.

 

Es wehte ein starker kalter Wind, der die Aufenthaltsdauer auf den einzelnen Gipfeln begrenzte. Es bot sich jedoch ein tolles Panorama. Jetzt ging es wieder in den Abstieg, gut 650 Höhenmeter runter zur Safford Notch Campsite, wo ich heute bleiben wollte. Das Wetter hielt bisher. Es war mir ganz recht, dass es etwas bewölkt und daher nicht so warm war. Es ging wieder höllisch runter. Man glaubt gar nicht wie lange 2 Meilen/3,2Km werden können bei diesem Gelände. Gegen 15:00 Uhr erreichte ich den Zeltplatz, sicherte mir eine Holzplattform und baute darauf mein Tarp Tent auf. Ich muss gestehen ein begnadeter Camper bin ich nicht. Es dauerte ziemlich lange aber dann stand meine Unterkunft ganz ordentlich. Schwer zu sagen ob es noch regnen wird. Morgen geht es auf alle Fälle zu einem 13Meilen entfernten Shelter und die Berge werden kleiner. Keiner mehr über 3000ff / 1000m dabei. Auch die Kollegen welche südwärts gehen haben bestätigt, dass es nach den Bigelow Mountain´s nicht mehr so anstrengend wird. Na ja, ich werde es ja demnächst selbst in Erfahrung bringen.