5. Tag 15. Juli 2015 -Wenn kleine Hügel auch die letzten Körner fressen

Appalachian Trail

Streckenabschnitt: Puchuck Mtn. Shelter – Wawayanda Shelter / 11,5Mi
Ich war wieder früh unterwegs, diesmal schon vor 07:00 Uhr. Porkroll hatte gestern gemeint, er werde zum Wildcat Shelter gehen, der liegt schon im Bundesstaat New York, dies wären rund 23 Meilen! Ganz schön weit dachte ich mir, ich werde es ja sehen wie es läuft an diesem Tag! Am Beginn war gleich der Pochuck Mountain und innerhalb 15 Minuten war ich völlig durchgeschwitzt. Das ist so eine Geschichte mit den Appalachen. Berge in unserem Sinne sind ja das keine mehr! Höhenmäßig geht es in diesem Abschnitt ja kaum über 600m hinaus!

 

Dieses Gebirge zerfällt bzw. ist bereits zerfallen, Wind und Wetter hat es geschliffen und abgetragen. Auf den Resten dieser Berge stiefeln sich heute NOBOS, SOBOS und sonstige Wanderer die Füße wund! Eines kommt noch dazu im Inneren dieser Berge sind noch immer Gebirgsreste, Felsabrisse vorhanden; d.h. es gilt viele dieser teilweise sehr steilen Felswände, Abrisse, zu überwinden und das geht meistens ziemlich ans Eingemachte. Wenn man täglich über mehrere dieser Appalachenhügel drüber muss, dann weißt du abends am Shelter was du getan hast!

Aber nun zurück zum Tag! Also der Pochuck Mountain war bezwungen und nach dem Abstieg war ein Tal zu durchqueren. Es dürfte sich um ein großes Feuchtgebiet gehandelt haben, der Trail verlief mitten durch das Biotop auf Holzstegen. Wasserschildkröten, viele Vögel, Blumen, Schilf säumten den Weg. Über eine Meile zog sich diese Landschaft hin. Bis gegen Mittag war ich echt gut unterwegs und die Überlegung auch die lange Tagesetappe zu gehen war immer noch da. Dann kam jedoch der Wawayanda Mountain. Nicht höher als 500m, aber richtig steil und übersät mit Felsen jeglicher Art und Größe. Der Aufstieg ging so richtig in die Knochen. Schwitzen Ende nie, Wasserbedarf groß, man macht keine Meilen. 

Ich quälte mich da 1 Stunde hoch und oben angekommen war mir klar, ich gehe heute keine 12 Meilen mehr! So erreichte ich gegen 14:00 Uhr den Wawayanda Shelter und quartierte mich ein; d.h. meine Hängematte funktionierte ich wieder um zum Moskitobett, dann ging ich noch zur Rangerstation und holte Wasser! Da sich dort auch ein Waschraum befand, nützte ich die Gelegenheit zu einer gründlichen Körper- und Kleiderwäsche; d.h. ich habe mein T-Shirt, Socken usw. kurz im Handwaschbecken ausgewaschen und beim Shelter aufgehängt. Bin gespannt ob die Sachen auch wieder trocken werden! Dieser Shelter hat wiederum keine Quelle in unmittelbarer Nähe daher treffe ich auch keine anderen Wanderer!

 

Überhaupt scheint es mir, sind heuer weniger Leute unterwegs im Vergleich zum letzten Jahr. Auch während des Tages trifft man kaum jemanden. Anschließend widme ich mich der notwendigen Bein- und Fußpflege. An der rechten Ferse habe ich nun auch eine Blase. Die Blase auf der linken Ferse ist bereits am Abheilen. Dachte ich erst es wären die Socken, so bin ich mir jetzt sicher, das Blasenproblem erzeugen die Schuhe! Aber es geht einigermaßen. Zum Abendessen gibt es Spagetti mit Fleischklößchen, Kaffee+poptarts und Snickers. Dann kommt doch noch ein Wanderer mit Hund, der Junge hat vollkommen offene Beine. Ich frage ihn was los ist, er meint es wären Fliegenbisse! Weitere Wanderer treffen ein, das Mädel hat den Trailnamen Cinderella. So jetzt ist die Bude ja fast voll!