26. Tag 10. August 2016 – Man könnte auch seinen Urinbeutel trinken

Appalachian Trail

Tagesetappe: Andover – Bemis Mountain Lean To – 8,7Mi

Eigentlich habe ich in meinem Hochbett ganz gut geschlafen wenn nicht durch das Bier bedingt, 4x pinkeln gehen notwendig gewesen wäre. Der Ab- und Aufstieg zu meinem Bett war fast so gefährlich wie die Mahoosuc Notch!  Um 06:00 Uhr war dann wieder alles gepackt, es gab noch Kaffee und ziemlich patzige Muffins und dann ging es wieder los. Zuerst relativ gemütlich auf den Wyman Mountain, dann ein heftiger steiler Abstieg zur Sawyer Notch. Der Aufstieg zum Moody Mountain war dann wieder steil, gerade und kräfteraubend; ebenso der Abstieg zur South Arm Road. Dann kam eigentlich erst der höchste Berg der heutigen Etappe der Old Blue Mountain. Und diese 3600f waren überraschend leicht zu gehen. Also, der Old Blue Mountain, wird zum wander-freundlichsten Berg der heurigen Etappenwanderung ernannt!

 

 In dieser moderaten Art ging es erfreulicherweise weiter, den auch der Bemis-Mountain – 3554f ging noch leicht drauf. So erreichte ich am späteren Nachmittag den Bemis-Mountain-Lean-To. Ich war lange Zeit alleine. Ein Problem stellte sich allerdings, die Quelle beim Shelter war trocken! Ich hatte in meinem Trinksystem noch einen guten Liter reines Trinkwasser, dieses wollte ich nicht zum Kochen verwenden. So suchte ich nach Wasser! Ich folgte dem trockenen Bachbett und fand tatsächlich ein relativ tiefes Felsbecken in dem Wasser war. So füllte ich meine Flaschen mit gelben Wasser, welches ich zuerst chemisch reinigte. Zur Sicherheit kochte ich das Wasser dann ab und ließ es schluß endlich durch einen Kaffeefilter laufen um die restlichen Schwebstoffe herauszufiltern. Es war nun trinkbar die gelbe Farbe blieb jedoch. Ich verwendete dieses Wasser zum Kochen.

 

Dann startete ich ein Lagerfeuer in Maine ist dies wieder erlaubt. Auch die Durchgeher erfreute ein Lagerfeuer, aber die haben meist keine Zeit eines zu starten sie müssen ja Meilen machen! Es ist zum Teil schon ernüchternd welchen Wettbewerbscharakter diese jungen Wanderer an den Tag legen. Da bleibt nicht viel Zeit für Natur! Es laufen heuer jede Menge lustige bis komische Typen auf dem Appalachian Trail herum; zB ein Wanderer der sich nur von Erdnußbutter ernährt! Als Etappenwanderer hab ich es wesentlich angenehmer! Kein tägliches Meilen-Soll, kein Time-Limit.

Der Wald in Maine gefällt mir! Eine Mischung aus dichten Nadelbäumen und vielen Birken. Viele Bäume tragen dichte Flechtenbärte. Es ist ein magischer Wald durch den es sich gut gehen läßt. Es liegt aber wohl auch an der Trockenheit des Trails. Die vielen Trittsteine und Bordwalks, welche meist aus grob bearbeiteten halben Baumstämmen bestehen, vermitteln einen Eindruck wie sich der Appalachian Trail bei Näße und Regen präsentiert! Schön langsam greift der Gedanke , dass sich das Ende meines diesjährigen Wanderung nähert. Es ist immer ein bißchen Wehmut dabei, wenn sich eine Etappenwanderung zu Ende neigt.