26. Tag – Große Trail-Magic – und lesen sollte man können!

Appalachian Trail

Streckenabschnitt: Rausch Gap Shelter – William Penn Shelter – 15Mi

06:00 Uhr daher raus aus dem Schlafsack! Zum Frühstück gibt es Kartoffelpüree, zubereitet mit 2 Tassen heißem Wasser, etwas umrühren und fertig! Daheim würde ich so etwas nicht essen! Aber hier und heute, ich habe ja sonst keine Lebensmittel mehr! Aber der Plan für heute steht ja fest es geht weiter bis Swatara Gap, dann 2,4 Meilen zur Stadt Lickdale, schnell einkaufen und zurück zum Trail!

 

Passt, da ich heute sowieso eine kurze Etappe geplant hatte! Also gab es morgens keinen Stress, nach dem schmackhaften Kartoffelpüree noch einen Kaffee und dann ging es wieder los! Der Weg verlief moderat, teilweise wurde aus dem Trail, wir würden sagen ein Steigerl, manchmal auch zugewachsen mit Gras! So kam ich gegen Mittag zum Swatara Gap und machte mich auf den Weg in die Stadt. Ich war noch nicht weit gegangen, hielt ein Wagen an und der Fahrer fragte mich you need a lift up? Yes I need – thank you very much! Er fuhr mich zum General Store in die Stadt, wartete bis ich eingekauft hatte und brachte mich zurück zum Trail. Wau! Wenn das nicht Trail Magic war! Vielen Dank! Ich war zufrieden, sehr zufrieden!

 

Ich hatte viele Stunden eingespart und der nächste Shelter war ja nicht mehr weit, nur 0,4 Meilen, so glaubte ich! Ich hatte daher entsprechend eingekauft, auch 2 Dosen, was sonst ja total verpönt ist. Aber für das kurze Stückchen! Als ich ca. eine dreiviertel Stunde unterwegs war dachte ich, das kann es doch nicht sein. Solange braucht kein Mensch für 0,4 Meilen. Ich zog daher mein Guidebook zu Rate und musste leider feststellen, dass ich mich verlesen hatte. Bis zum nächsten Shelter waren es noch 7,5 Meilen! Shit! Aber was soll`s! Also ließ ich es wieder raus, das Meilen-fressende-Wander-Monster und legte dort wo der Trail es zuließ ein strammes Tempo vor. So kam ich gegen 16:30 Uhr beim William Penn Shelter an. Eine beeindruckende Konstruktion mit einer zweiten Etage. Als erstes gab´s eine Jause und eine Dose Spam-Fleisch und 8 Burgerbrötchen. Spam-Fleisch dünn aufschneiden, in die Burgerbrötchen legen,  wahlweise Ketchup, Mayo drauf und runter damit. Dazu 1 L Wasser, was gibt es besseres? Nach der Mega-Jause verstaute ich die eingekauften Lebensmittel in den Plastiktüten und ging anschließend zur Quelle duschen und Wasser holen. Die Quelle war erstens pretty far down und entpuppte sich zweitens als jämmerliches Rinnsal. Als ich zum Shelter zurück kam hat sich mein Kollege eingefunden. Ich bin mit ihm schon etliche Tage gewandert, er ist ein netter junger Mensch der den ganzen Trail geht. Leider kann ich mir seinen Trailnamen nicht merken. Ich spendiere ihm ein Stück Kuchen und mache mir Kaffee. Dann wie jeden Abend Füße pflegen und natürlich Lagerfeuer. Mit heutigem Tag habe ich von insgesamt 229 Meilen schon 125 Meilen in Pennsylvania zurückgelegt. Also bereits mehr als die Hälfte! Die anderen Wanderer sagen, dass der Trail in Nord-Pennsylvania noch schwieriger wird, da die Felsen an Größe zunehmen. One has to wait and see! In Port Clinton werde ich wieder einen zero-day einlegen, dort bin ich in 2 Tagen.