Etappe: Rieder Hütte—Grünalmkogel—Pfaffengraben—Hochleckenhaus—Steinbach am Attersee, reine Gehzeit 08:45Stunden, für 18,5Kilometer, Höhenmeter im Anstieg 782, Höhenmeter im Abstieg 2071, Wegnummer 804, 806, 820, 823
Ich verließ die Rieder Hütte bereits um 5:30 Uhr. Das mit dem Thermofrühstück hatte bestens funktioniert. Auf der Rieder Hütte habe ich nette, freundliche und engagierte Menschen getroffen, sehr gut gegessen und mich wirklich wohlgefühlt. Vielen Dank an das gesamte Hüttenteam.
Ich ahnte ja schon, dass heute ein anstrengender Tag werden würde. Wie anstrengend und mühevoll dieser Steig tatsächlich sein würde, war mir allerdings nicht bewusst. Gleich vorweg: Ich habe noch nie so viel Zeit damit verbracht, mich auf allen Vieren steil bergab und noch steiler bergauf zu bewegen. Doch jetzt zu diesem spannenden letzten Tag am 04er-Weg. Das Wetter war ideal. Kein Wind, und es versprach ein schöner, wahrscheinlich heißer Tag zu werden.
Von der Rieder Hütte ging es zunächst leicht bergauf Richtung Vorderer und Mittlerer Kesselgupf, die jedoch umgangen werden. Dann wurde es zum ersten Mal spannend. Der Weg führte mich hinunter in den sogenannten Schlund. Zur Wegbeschaffenheit sei gesagt, dass der 04er-Weg durchgehend ein schmaler, steiler Steig war – mit viel losem Geröll, teilweise von Wurzeln durchzogen und gesäumt von tiefen Dolinen. Über lange Strecken ging es entweder steil bergab oder ebenso steil bergauf. Tiefe Spalten befanden sich unmittelbar neben oder auf dem Weg und stellten eine nicht zu unterschätzende Unfallgefahr dar. Es war also klar: Die Wegbeschaffenheit ließ keine schnelle Wanderung zu.
Vom Schlund führte mich der Weg zum Brunnkogel, der auf einem ausgesetzten Steig gequert wird. Nach dem Brunnkogel wartete bereits die nächste Herausforderung. Es galt, den Grünalmkogel zu besteigen. Mit 1.821 Metern war er einer der höchsten Punkte meiner heutigen Wanderung. Ein schmaler, kaum erkennbarer Steig führte steil nach oben. Nicht zum ersten Mal packte ich meine Wanderstöcke weg und kletterte auf allen Vieren zum Grünalmkogel hinauf.
Vom Grünalmkogel führte der Weg leicht bergab zur sogenannten Pfaffengrabenhöhe. Jetzt stand wieder ein schwieriger, steiler und ausgesetzter Abstieg in den Pfaffengraben bevor. Von rund 1.700 Metern ging es hinunter auf etwa 1.350 Meter, um anschließend sofort wieder Richtung Jagerköpfl auf rund 1.670 Meter anzusteigen. Der Aufstieg zum Jagerköpfl ist ziemlich steil und keineswegs ungefährlich. Auch hier war es wieder notwendig, die Hände zu Hilfe zu nehmen und den Steig regelrecht hinaufzuklettern.
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Mit Erreichen der Jagerköpflhöhe sah ich nach gut fünf Stunden zum ersten Mal das Hochleckenhaus und wusste, dass sich die bisherige Kletterei nun wieder auf normales Gehen reduzieren würde. Der Weg führte jetzt deutlich angenehmer durch ausgedehnte Latschenfelder, und nach einer guten halben Stunde erreichte ich das Hochleckenhaus. Dort gönnte ich mir eine Pause mit einem Suppentopf und einem Getränk. Ich hatte bis hierher 5 Stunden und 50 Minuten von der Rieder Hütte benötigt. Was mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so richtig bewusst war: Es stand noch ein langer Abstieg zum Attersee bevor.
Nachdem ich mich gestärkt hatte, setzte ich meine Wanderung fort. Kurz nach dem Hochleckenhaus gabelt sich der Weg. Die Wegnummern 804 und 820 führen links Richtung Geißalm, Bergrettungshütte, Mahdlgupf und Schoberstein. Ich war jedoch einen Moment unkonzentriert und folgte der Forststraße beziehungsweise dem Weg Nr. 823, der mich am Kugelzipf und an der Adlerspitz vorbei nach Ober- und Unterfeichten führte. Das sind Ortsteile der Gemeinde Steinbach am Attersee. Ich war also nicht mehr auf dem direkten Weg nach Weißenbach am Attersee unterwegs. Das war aber nicht weiter schlimm. Steinbach am Attersee ist die Nachbargemeinde von Weißenbach am Attersee. Sowohl zeitlich als auch von der Streckenlänge her machte das keinen nennenswerten Unterschied.
So erreichte ich schließlich Steinbach am Attersee. Damit war meine letzte Etappe auf dem Voralpenweg 04 zu Ende. Im Tourismusbüro holte ich mir noch meinen letzten Stempel und hatte anschließend ein wirklich interessantes Gespräch mit einer Mitarbeiterin.
Es war heute eine wirklich herausfordernde und anstrengende Etappe. Derartige Wegabschnitte darf man keinesfalls unterschätzen. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier unerlässlich. Auch die lange Dauer ist ein wesentlicher Faktor, denn mit jeder Stunde lässt die Konzentration etwas nach. Gerade auf einem solchen Steig kann das rasch zum Sicherheitsrisiko werden