4. Tag – Wer füttert bitte Klapperschlangen?

Appalachian Trail in Virginia

Streckenabschnitt: Loft Mountain Campground – High To Hut/15Mi

Ich fühle mich gut, die Vögel beenden mit ihrem Gezwitscher meine Nachtruhe. Ich setze Wasser für Kaffee auf, den ich während des Schreibens genüsslich trinke. Für heute habe ich mir eine 15 Meilen Etappe ausgesucht. Das mit den Meilen hört sich so harmlos an, ist es aber nicht, den 1 Meile = 1,6Kilometer. Leider wieder kein Telefon! Also gut, ich packe nun wieder den Rucksack und hoffe auf einen guten Tag. Das Wetter ist bis jetzt ziemlich angenehm, nicht zu heiß, ab und zu ein kurzer Regenschauer, ich hoffe es bleibt sol. Die kleinen Blutsauger halten sich auch in Grenzen. Vor lauter Kaffee genießen habe ich ziemlich viel Zeit verdrödelt, es geht bereits auf 10:00 Uhr zu als ich den Campingplatz verlasse.

Ich mache noch einen Abstecher zum Campstore, kaufe mir Müsli Riegel und eine Dose Wiener Würstchen. In der Wäscherei vom Store lade ich meine Uhr auf, es scheint zu funktionieren. Zwei Stunden später sagt die Uhr „low battery“, zuckt noch ein bisschen und verabschiedet sich. Wahrscheinlich wieder kaputt! Ich will nicht mehr darüber reden! Der Trail beginnt mit einem Schild welches vor Klapperschlangen warnt. Man soll sie nicht füttern, nicht töten, ihnen nicht zu nahe kommen. Die spinnen die Amis, wer will schon eine Klapperschlange füttern? Ich gehe sehr konzentriert, Gott sei dank, keine Schlangen am Weg. Es geht wieder heftig auf und ab. Ich muss noch einen Irrtum korrigieren. Erstens glaubte ich, dass der Trail nicht über jeden Berggipfel führt, tut er aber doch. Zweitens dachte ich die betonierten Hinweisschilder sind nicht so wichtig, es kommt eher auf die weißen Markierungen an Bäumen und Felsen an. Stimmt so nicht – zumindest im Shenandoah National Park! Hier geben die betonierten Hinweiszeichen die Richtung, das oder die nächsten Ziele/Shelter/Gaps an, sowie die jeweilige Entfernung und ganz wichtig die Gehrichtung /Nord-/Süd) an. Es ist natürlich für einen nach Norden Wandernden von grundlegender Bedeutung die Richtung nicht zu wechseln. Die Betonzeichen tragen kleine Metallbänder auf denen all diese Infos eingestanzt sind.

Nach einem langen, sehr langen Anstieg folgte eine ebenso langer Abstieg und dann bin ich beim Ivy Creek, ein schmaler Gebirgsfluß mit kleinen Wasserfällen und klarem Wasser. Also Kopf ins Wasser und wie die Kamele so viel Wasser trinken wie es geht. Auch diese Lektion habe ich schnell gelernt. Auf einer Tagestour braucht man ca. 3-4 Liter Wasser. Ich habe mir heute auch 3 Liter aufbereitet und trinke zusätzlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Das Wetter ist schön, die Luftfeuchtigkeit hoch, im Wald weht kein Lüftchen. So gehe ich stundenlang dahin, treffe wieder ein wildes Tier, ein Reh welches überhaupt keine Scheu zeigt, komme wieder an vielen Overlooks / Aussichtsplätzen vorbei, alle bieten dasselbe Panorama, viel Gebirge mit noch mehr Wald, ich mache trotzdem Fotos.

Die Pinefield Hut lasse ich hinter mir, weiter geht es zur High Top Hut. Die heißt nicht umsonst so. Es geht wieder richtig zur Sache. Das heißt du siehst ca. 1 Stunde geradeaus den Weg nach oben gehen. Wenn man dann oben angelangt ist, stellt man fest, das es nach einer kleinen Kehre wiederum sehr lange bergauf geht. An diese Art von Anstiegen muß ich mich erst gewöhnen. Sei es wie es sei, gegen 18:00 Uhr erreichte ich die High Top Hut. Es waren bereits einige Menschen da, daher hieß es wieder Zelt aufbauen; dh zuerst Steine und Felsen beseitigen, dann Löcher ausfüllen, Platz säubern und Zelt drauf.

Funktioniert ganz gut! Dann wird Wasser geholt und gekocht, Nudeln und nicht zu vergessen, die Dose mit den Würstchen. Wie sowas schmeckt? Egal, nach so einem Tag ißt man sowieso alles. Eigentlich kann man gar nicht so viel essen um den Kalorienverbrauch auszugleichen. Nach der Mahlzeit setze ich noch einen großen Topf Kaffee auf und beglücke auch noch 2 andere Wanderer mit österreichischem Kaffee. Oh, very good! Dann nochmals Wasser holen und ab ins Zelt, es ist schon 21:00 Uhr. Morgen muß ich früher weg. Zuletzt noch die Füsse pflegen, Traumasalbe für die Muskeln, Burgit für die Füße.

Während ich schreibe kriecht irgendetwas unter den Zeltboden. Was es genau war erfahre ich dann mogen, ich glaube ich habe es erschlagen. Ich bin heute in der Mitte des Shenandoah Nation Park (SNP) angelangt. Der SNP hat eine Länge von ca. 110 Meilen, davon habe ich 47 Meilen zurückgelegt. Ich hoffe, dass es so gut weiter geht.