3. Tag – Viel Schweiß – es ging aufwärts wie die Sau – Flipper getroffen – Happy End am Loft Mountain Campground

Streckenabschnitt: Calf Mountain Shelter - Loft Mountain Campground / 20,4Mi

Weckzeit 06:00 Uhr. Kaffee gekocht, minimale Körperpflege. Dann der tägliche Kampf mit dem Rucksack, der übrigens noch nicht leichter geworden ist. Ich gewinne den Kampf, d.h. es gelingt mir wieder alles zu verstauen, was ich am Vortag ausgepackt hatte. Übrigens zum Kaffee gibt`s ein Müsli. Das heutige Ziel ist die „Black Rock Hut – sie ist die erste Hütte im Shenandoah National Park. Es gilt viel Wasser mitzunehmen da auf einer Strecke von 13 Meilen keine Quelle vorhanden ist. Aus der Erfahrung vom Vortag gelernt, bereite ich mir 3 L Wasser auf und achte darauf mindestens 1x pro Stunde zu trinken. Dann geht`s los. Ich passiere die Grenze zum SNP, der Weg ist besser – nicht mehr morastig – aber schmal und zu beiden Seiten mit hohem Gras bewachsen, was das Gehen mit den Stöcken teilweise schwierig macht. Es geht heftig auf und ab. Mein Rücken wird noch einige Tage benötigen, bis die Kerben in den Schlüsselbeinen den Rückengurt akzeptieren. Durch den Park führt eine schöne breite Straße – der „Skyline-Drive“, den ich heute 5x überquere. Dann geht`s rauf zum „Black-Rock-Summit“ – Fuck, welch ein Anstieg! 4-5 KM, d.h. 1,5 Stunden schnurgerade bergauf! Ich bin stolz und froh darüber, dass ich mich so gut vorbereitet habe und derartige Anstiege durchgehen kann!

Black Rock Gipfel
Loft Mountain Campground
weite Shenandoahs

Black Rock Summit

Loft Mountain Campground

weite Shenandoahs

Wer behauptet, der SNP wäre etwas für Anfänger, war entweder noch nicht hier oder ist ein totaler Yeti.

Vollkommen ausgepowert und durchschwitzt erreiche ich den „Black-Rock-Gipfel“. Er bietet 360 Grad freie Sicht auf das Shenandoah Tal und was ist zu sehen? Soweit das Auge reicht Berge und riesige Wälder. Ich mache einige Fotos, klettere vom Gipfel wieder runter und folge weiter den weißen Markierungen Richtung „Black-Rock-Hut" – so glaubte ich zumindest. Denn plötzlich stehe ich wieder am „Sky Line Drive. Shit – I have lost my way! Zum Glück treffe ich einen Bekannten von der Calf Mountain Hut – ein echter NOBO mit dem Trailnamen „Flipper“. Ich habe Flipper dort Kaffee und eine Zigarre spendiert daher begrüßt er mich freundlich und bestätigt, dass man zur „Black Rock Hut ca. 1,7 Meilen zurückgehen müsste und meint es wäre klüger gleich zum „Loft Mountain Campground zu gehen – eh nur ca. 5 Meilen! Gesagt getan, wir gehen den Sky Line Drive entlang und erreichen nach ca. 1. Stunde den Loft Mountain Wayside. Dort gibt`s Essen und ein, vielleicht auch zwei Bier. Flipper meint er müsse erst fragen ob es einen Job gibt – er habe nämlich keine „Bucks“.

Ich habe es also mit einem echten Lebenskünstler zu tun. Sein ganzes Hab und Gut trägt er mit sich in einem 12 Kg schweren Rucksack! Daher gilt das Motto „Flipper be my guest“. Wir gehen ins Lokal, ich bestelle 2 Budweiser, Flipper erkundigt sich ob es einen Job gibt – er meint er könnte rasenmähen. Leider ist der Manager nicht da und die Bedienstete kann ihm nicht weiterhelfen. Wir setzen uns mit dem Bier und 2 großen Laugenbretzen nach draußen und treffen dort auf „Bridger“ und „Pace“ – ein junges Paar das ebenfalls auf dem A.T. unterwegs ist. Die beiden sind auch von Geldsorgen geplagt. Auf dem Parkplatz treiben sich einige Rehe herum – und dann passiert es! Ein Schwarzbär geht ganz gemütlich über die Parkfläche und verschwindet wieder im Wald. Denn ganzen Tag am Trail keine Spur von Bären – aber am Parkplatz kannst du in aller Ruhe einen sehen! Was ich allerdings beim Gehen gefunden habe waren Eierschwammerl! Ich hab sie zur Verfeinerung meines Abendessens mitgenommen.

Da es schon ziemlich spät war, stellte sich die Frage - Wo übernachten? Ich entschloß mich noch zu Zeltplatz zu gehen, $ 15 in Kauf zu nehmen und mein Zelt auszuprobieren, inklusive Toilette, Waschraum usw. Gegen 20:00 Uhr erreiche ich den Zeltplatz, erledige die Formalitäten, baue das Zelt auf und mache ein kleines Feuer. Dann das übliche Prozedere - Rucksack ausräumen, Zelt für die Nacht vorbereiten. Zum Abendessen gibt es Nudeln in Tomatensauce, verfeinert mit Eierschwammerl. Dann Abwasch und Körperpflege- d.h. ich verwandle das Waschbecken in der Toilette in eine Dusche. Es gibt Warmwasser - herrlich! Daher Haare waschen, Füße waschen, Füße mit Burgit pflegen, die strapazierten Muskeln mit Traumasalbe pflegen. Ah - tut gut! Dann ab in das Zelt. Diesmal keine Probleme mit den Muskeln! Es wird bis 06:30 Uhr durchgeschlafen.


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